C.H.Beck; 383 Seiten, 16 Abbildungen, 14 Karten, Anmerkungen, Bibliographie, Register; gebunden, mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-406-69752-4, EUR. 28,–

Das in überarbeiteter und ergänzter und nunmehr dritter Auflage vorliegende Standardwerk zur Geschichte und Kultur der Kelten aus der Feder des Tübinger Professors Bernhard Maier bietet eine Gesamtschau der keltischen Geschichte von ihren Anfängen im VI./V. Jahrhundert v. Chr. bis zur Gegenwart. Maier brachte das Buch auf den aktuellen Forschungsstand und nahm »Modifikationen sowie Einschübe und Ergänzungen« (S. 14 f.) an Haupttext, Anmerkungen und Bibliographie vor. Zudem hat die Neuauflage eine veränderte Gestaltung erfahren.

Die Darstellung gliedert sich in drei Teile: Der erste Teil (S. 27–151) hat die festlandkeltischen Kulturen des Altertums zum Gegenstand, hierbei ist Maier auf archäologische und literarische Quellen antiker Beobachter angewiesen (v. a. Herodot, Poseidonios, Caesar). Neben der Westhallstattkultur widmet er sich vor allem der Selbstdarstellung der gesellschaftlichen Elite über Fürstengräber und -sitze und dem keltischen Jenseitsglauben. Der frühen Latènekultur, ihren verschiedenen Zentren, der damit verbundenen »Geburt der keltischen Kunst« und den religiösen Aspekten widmet Maier ein eigenes Kapitel, um dann mit der keltischen Expansion, dem Kriegswesen der Kelten und den ältesten Heiligtümern fortzufahren. Ein langes Kapitel bildet die Romanisierung der Kelten mit Ausbildung der oppida, den Viereckschanzen und den Druiden und der Erschließung Galliens über die »gallorömische Zivilisation«. Mit der Darstellung der Geschichte der Kelten auf der Iberischen Halbinsel, in Oberitalien und in Kleinasien und einer Zusammenfassung der gallorömischen Kultur zwischen 27 v. Chr. und der zweiten Hälfte des V. Jahrhunderts endet der erste Teil des Buches.

Im zweiten Teil des Buches (S. 153–240) verlässt Maier die Antike und widmet sich den Kelten auf den Britischen Inseln, Irland und in der Bretagne. Nach einer allgemeinen Einführung hinsichtlich antike Schriftquellen, archäologische Quellen sowie P-Keltisch & Q-Keltisch geht er zunächst in drei Kapiteln auf die Geschichte der Kelten in Irland von der Christianisierung bis zur Kolonisierung durch die englische Krone ein, die mit den Bemühungen Heinrichs VIII. um die Schaffung eines zentralistischen Staates und dessen Anerkennung als Oberhaupt der irischen Kirche ihren Abschluss fand. Den Entwicklungen in Schottland (»von der Ankunft irischer Siedler bis zur Reformation) widmet er ein Kapitel, um dann recht detailliert auf die Entwicklungen in Wales in zwei Kapiteln einzugehen – vom Abzug der Römer bis zur Union mit England im Jahr 1301. Einen eigenen Abschnitt widmet Maier dem »Beitrag der Kelten zur Weltliteratur« mit der Überlieferung zu Arthur/Artus. Ein weiteres Kapitel ist der Bretagne von der Altsteinzeit bis zur Union mit Frankreich im XVI. Jahrhundert (union perpetuelle von 1532) gewidmet.

In gleicher Reihenfolge wird im dritten Teil (S. 241–300) die keltische Geschichte in Irland, Schottland, Wales und der Bretagne »vom Humanismus bis zur Gegenwart« erzählt – ab dem dritten Teil beschränkt sich die Darstellung im Wesentlichen auf eine knappe Schilderung der politischen Entwicklungen in den jeweiligen Gebieten und die der keltischen Sprache und Literatur (Ausnahmen bilden die Schilderungen der Entstehung der Keltologie als Universitätsfach [S. 248–251], Wirtschaft und Gesellschaft des schottischen Hochlands [S. 261 f.] und das letzte Kapitel, das auf die Problematik der Definition des »Keltischen« und die Entwicklung der keltischen Sprachen insgesamt eingeht [S. 295–300]). Ein »Rückblick und Ausblick« (S. 301–305) beendet das Buch.

 

Die drei Teile des Buches fallen hinsichtlich Ausgestaltung und Qualität recht unterschiedlich aus. Der erste Teil hinsichtlich der Festlandkelten im Altertum ist quellennah gearbeitet und geht sehr detailliert auf die Themen ein, die sich vor allem auf archäologische Überreste und griechische und römische literarische Quellen stützen, v. a. die Themen Kunst, Religiosität & Heiligtümer, Wanderung, Kriegswesen, oppida und Sprachen.

Der zweite Teil ist mehr aus den literarischen Quellen gearbeitet – freilich weil nun erstmals ›keltische‹ schriftsprachliche Quellen erhalten sind. Auch hier werden noch ganz unterschiedliche Themen recht ausführlich behandelt, etwa die »irische Mission in Europa« (S. 185–188), Kirchengeschichte & Entwicklung des Christentums, die Arthur-Sage. Aber schon hier herrscht eine Konzentration auf die Darstellung der politischen Hauptentwicklungen, der Sprachen und Literatur statt.

Im dritten Teil beschränkt sich die Darstellung praktisch auf die letzten drei genannten Bereiche: Fast in der Art einer bloßen Aufzählung werden politische Ereignisse, Autoren & Bücher sowie sprachliche Entwicklungen genannt – abgesehen von den oben genannten Ausnahmen und einigen zitierten Gedichten (S. 261, 272–274, 286 f., 294). Analysen finden kaum mehr statt.

Insgesamt ist festzuhalten: Bernhard Maier bietet einen fundierten Einblick in 2500 Jahre Keltengeschichte auf dem aktuellen Stand der Forschung. Zudem bietet das Buch viele gute Abbildungen (v. a. zur keltischen Kunst) und sinnvolle Karten (die aber meist nicht kommentiert werden). Die 461 Anmerkungen laden zur weiteren Beschäftigung ein und bieten eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Literatur zu den Kelten. Letztere ist in der 39 Seiten umfassenden Bibliographie (S. 330–369) aufgeführt, sie umfasst neben englisch- und deutschsprachigen Titeln v. a. auch solche in französischer Sprache. Was Aufmachung, Gestaltung, Satz, Zugang und Umfang des Buches betrifft lässt es kaum Wünsche offen – die Qualität der Darstellung lässt im dritten Teil jedoch deutlich nach.

PDF: Bernhard Maier, Die Kelten