je C.H.Beck; 128 bzw. 120 Seiten, elf Abb. & drei Karten bzw. elf Abb., Glossar, je Chronologie, Bibliographie & Register; je broschiert; ISBN 973-3-406-60696-0 bzw. 978-3-406-69880-4

Manche Bücher bieten sich an, gemeinsam besprochen zu werden, jedenfalls dann, wenn es genügend Berührungspunkte gibt. Bei den Überblickwerken von Wolfgang Will und Bruno Bleckmann sind es viele Berührungspunkte: einmal die Thematik: Es werden je kriegerische Auseinandersetzungen in der antiken griechischen Welt geschildert, je von Fachleuten. Beide Kriege fanden zudem in der sog. Klassischen Zeit der Griechischen Geschichte statt. Aber es sind noch weitere Punkte zu nennen: Für beide Kriege dominiert je eine Quelle, welche wiederum zum Vergleich anregen und miteinander in Beziehung stehen, nämlich Herodot mit seinen ›Historien‹ einerseits und Thukydides mit seiner ›Geschichte des Peloponnesischen Krieges‹ andererseits. Zudem sind beide Bücher in der gleichen Reihe erschienen, setzen also Vergleichbares voraus bzw. richten sich an den gleichen Leserkreis und – das darf nicht vergessen sein – hatten den gleichen Platz zur Verfügung. Der Reihe entsprechend verstehen sich beide als Einführungs- oder Überblickswerke.

All dies mach die Werke vergleichbar und so sollen sie nach diesen Kriterien verglichen besprochen werden: Vorgehensweise, Argumentation, Schwerpunktsetzung & Auslassungen, schließlich auch Stil & Ausstattung.

 

 

Wesentlich ausführlicher geht Will zunächst auf Herodot und dessen Werk in einem eigenen Kapitel ein (S. 11–20), während Bleckmann das Schaffen des Thukydides knapper innerhalb der Einleitung umreißt (S. 10–15). Beide Bücher gehen im Grundsatz chronologisch vor, wobei beiden Darstellungen ein ›allgemeiner Teil‹ vorangestellt ist. Bei Bleckmann umfasst dieser die ersten beiden von fünf Kapiteln, worin er Bedeutung des Peloponnesischen Krieges, das Werk Thukydides‘ und die Ursachen des Krieges behandelt. Will hingegen setzt zwar früher mit der Darstellung des Krieges ein, setzt sich aber umfassender mit der Hauptquelle Herodot auseinander und unterbricht die ›Erzählung‹ des Krieges auch gelegentlich mit ganzen Kapiteln (etwa »Das zweite Vorwort Herodots« [S. 56–60]). Zudem lässt er seine Darstellung nicht mit dem Ende der Perserkriege aufhören, sondern stellt noch die Nachkriegsereignisse und die Rezeption der Perserkriege dar (S. 105–122).

Beide Autoren schließen sich häufig ihren Hauptquellen an, so übernimmt Bleckmann beispielsweise die kanonisch gewordene Dreiteilung des Peloponnesischen Krieges nach Thukydides in ›Archidamischer Krieg‹, ›Nikias-Frieden und Sizilienexpedition‹ und ›Dekeleischer Krieg‹. Freilich begründet er diese Vorgehensweise in der Einleitung. Will hingegen scheint Herodot kritischer gegenüberzustehen (vgl. S. 9). Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass er stärker Quellen außer seiner Hauptquelle heranzieht als Bleckmann, etwa die schriftlichen Quellen neben Herodot (S. 19–20), die Themistokles-Inschrift von Troizen (S. 69–73) und die Schlangensäule von Delphi (S. 98–101). Beide Autoren argumentieren freilich in Übereinstimmung mit der herrschenden Forschungsmeinung, wie sich dies für Einführungsliteratur auch gehört (explizit dazu: Bleckmann, S. 114).

Beide Bücher lassen aber auch Schwerpunkte in der Darstellung erkennen und können damit in bescheidenem Rahmen Akzente setzen. Will etwa mit den Ausführungen zu Herodot und dessen zweites Vorwort (S. 11–20, 56–59) oder die Thermopylen-Rezeption (S. 114–119); Bleckmann fokussiert auf die eigentliche Ursache des Krieges (S. 20–27) oder die Pest und Stasis auf Korkyra (= Korfu) (S. 54–61).

Zwar beschäftigt sich Bleckmann ausführlich mit den Gründen und der Bedeutung des Krieges im allgemeinen Teil, es fehlt freilich ein Ausblick, eine ›Nachgeschichte‹ des Krieges fällt außerordentlich knapp aus, auch ein Schluss ist nicht enthalten, vielmehr bricht die Darstellung recht abrupt mit der »oligarchische[n] Revolution« 404 v. Chr. ab (S. 109). Wills Buch ist abgeschlossener, freilich deklariert er seinen eigenen Anspruch wie folgt: »Es bleibt, daß über Schlachtenverläufe nichts Gesichertes zu sagen ist [und dementsprechend knapp fallen sie aus], und so gilt das Interesse des Buches mehr dem, was die Griechen über ihre Gegner und sich selbst, ob Barbarenfreunde oder -feinde, dachten und wie Herodot dies alles zu einer über Jahrhunderte hinweg wirkmächtigen Darstellung verarbeitet hat.« (S. 9) Es geht ihm also, anders als Bleckmann, weniger um eine Schilderung der Handlungsabläufe, so gut und gesichert sie sich eben aus den Quellen schöpfen lassen, sondern eher um Mentalitätsgeschichte.

In Sachen Stil ist bei beiden Büchern nichts zu beanstanden; Laien und Zunft werden in beiden Darstellungen angesprochen, wobei Laien der Reihe entsprechend eher anvisiert sind. In der Ausstattung liegen die Bücher weniger auseinander. Beide bieten sinnvolle Abbildungen und gutes Kartenmaterial und eine Chronologie für einen schnellen Überblick. Will hat ein kurzes, aber sehr sinnvolles Glossar beigefügt; Bleckmann hingegen eine kommentierte Bibliographie – leider ist darin das Buch von Will über Herodot und Thukydides nicht enthalten, obgleich Bleckmanns Neuauflage aus diesem Jahr ist und das Buch im selben Verlag erschienen ist (Wolfgang Will, Herodot und Thukydides. Die Geburt der Geschichte, München 2015). Gleichviel herrscht in der Ausstattung Gleichstand.

 

 

Nach diesem kursorischen Vergleich steht Wills Buch besser da. Beide Bücher bieten gute Überblicke zu den beiden entscheidenden außenpolitischen Ereignissen der ›Klassischen‹ Zeit Griechenlands, welche die herrschende Forschungsmeinung souverän darstellt auf sehr knappem Raum. Bleckmann überzeugt eher aus wissenschaftlicher Perspektive, weil er sämtliche wörtliche Quellenzitate im Text nachweist und eine kommentierte Bibliographie bieten kann. Will hingegen hat in Sachen ›Umfang‹ und ›Herangehensweise‹ die Nase vorn, weil er die Perserkriege umfassender darstellt, nämlich bis in die heutige Zeit (vgl. den Passus zum Hollywood-Film ›300‹ auf S. 117), und weil er mit seiner ›Mentalitätsgeschichte‹ wesentlich moderner Geschichtsschreibung betreibt als Bleckmann mit seiner ›klassischen‹ Herangehensweise.

 

PDF: Doppelbesprechung_Will_Bleckmann