C.H.Beck; 304 Seiten, zehn Karten, acht Abbildungen, Anmerkungen, Zeittafel, Bibliographie, Personen- & Ortsregister; Klappbroschur; ISBN 978-3-406-67413-6

 

Mit diesem Band beginnt der ›zweite Teil‹ der Antiken Geschichte: Wolfang Blösel schreibt als Professor für Alte Geschichte an der Universität Duisburg-Essen über die Römische Republik in der Reihe ›C.H.Beck Geschichte der Antike‹. Das Buch folgt dabei der typischen Vorgehensweise: Der aktuelle Forschungsstand wird syntheseartig mit den Schwerpunkten (Außen-)Politik, Verfassung und Gesellschaft geboten; auch wird eine sehr aktuelle und kommentierte Bibliographie geliefert (sogar mit Verweisen auf bis zum Erscheinen nur angekündigte Aufsätze: Uwe Walter, Mehr als Mythos und Konstruktion? Die römische Königszeit, in: HZ 302 (2016), S. 1–40) nebst Karten, Personen- und Ortsregister sowie einer Zeittafel. Die knappen Anmerkungen verweisen ausschließlich auf Quellen (und die Abkürzungen Römischer Vornamen). Damit erfüllt der Band auch wissenschaftliche Kriterien und darf damit als »zitierfähig« gelten.

 

 

Nach einer Einleitung (S. 11–18), die Anspruch, Vorhaben und die Großthese von »Forum und Expansion« des Buches abbildet, folgt im ersten Abschnitt (S. 19–31) die Werdung der Stadt Rom und die Königszeit: Zunächst beschreibt Blösel die konkurrierenden Thesen von ›Stadtwerdung‹ und ›Stadtgründung‹, dann die archäologischen Quellen und den Lapis niger, welche insgesamt eine »Zunahme von öffentlichen Bauten und Infrastrukturmaßnahmen« (S. 23) im 6. Jahrhundert v. Chr. feststellen lassen. Die »spätere Konstruktion« (S. 29) der sieben Könige Roms, ihrer Herrschaft und Vertreibung 509/508 dekonstruiert Blösel auf das Greifbare: Ein wohl von Königen und Aristokratie beherrschtes Siedlungsgebiet am Tiber, das noch kein Machtzentrum Mittelitaliens bildete.

Der zweite Abschnitt hat die frühe Republik bis zu den Licinisch-Sextischen Gesetzen von 367/366 zum Gegenstand (S. 32–55). Blösel stellt zunächst das doppelstellige Oberamt des Konsuls dar, das die königliche Amtsgewalt auf zwei Personen übertrug; daneben die anderen Oberämter: praetoer maximus, dictator, quaestores. Hier sind auch spannende Ausführungen zur Etymologie (praetor, consul) enthalten. Die Auseinandersetzungen zwischen Patriziern und Plebejern folgen auf den kommenden Seiten (›Ständekämpfe‹), et detail werden die beiden Klassen dargestellt. Patrizier: Aufkommen des Gentilnamensystems, der Abschließungsprozess der Aristokratie, Privatkriege und Fehlen eines staatlichen Gewaltmonopols, Ämterwettbewerb; Plebejer: Strukturen und Ziele, sog. Erste Sezession, plebejische Ädile, das Amt des Volkstribuns, Abstimmungsprinzipien, comitia tributa. Schließlich werden noch die Inhalte der XII Tafeln vorgestellt, sozusagen in einem kleinen rechtshistorischen Exkurs. Das dritte Kapitel des zweiten Abschnitts widmet sich dann den außenpolitischen Geschehnissen, nämlich dem Kampf Roms mit seinen etruskischen und latinischen Nachbarstädten, was nach der Eroberung Vejis – trotz der zwischenzeitlich erfolgten Eroberung Roms durch die Gallier 390/387 – zu einer »kraftvollen Expansion« (S. 55) geführt habe. Der zweite Abschnitt endet mit der Schilderung der Etablierung eines ersten römischen municipium: die Stadt Tusculum.

Der dritte Abschnitt (S. 56–90) rahmt die außenpolitische Entwicklung zwischen 366 und 264 mit inneren Entwicklungen der Römischen Gesellschaft ein: Zunächst schildert Blösel die Römische Verfassung um 367/366, dann das Entstehen der Nobilität, um dann die ›Eroberung‹ Italiens über die verschiedenen Kriege und Verträge (Erster Samnitenkrieg, Latinerkrieg, Zweiter & Dritter Samnitenkrieg, der Krieg gegen Pyrros, die Verträge mit Karthago) darzustellen; dazu die Instrumentarien zur Herrschaftssicherung der Römer in Italien: Verträge & Bündnisse, Straßen und sog. Bürgerkolonien. Ursachen und Folgen der Expansion werden im dritten Kapitel geschildert (hospitiae und amicitiae zwischen Römischen und Italischen Adligen, Patron-Klient-Beziehungen, das Auszeichnungsbestreben der Römischen Nobilität über Ruhm, Triumph & ovatio als wesentlicher Faktor der Expansion [S. 80], verschiedene Gesetze und Entwicklung von Senat & Obermagistraten). Einigermaßen ausführlich werden der Triumph und die ovatio auf S. 80–83 erläutert.

An vierter Stelle folgen die Darstellungen der beiden Römisch-Punischen Kriege zwischen 264–201 (S. 91–119) – erfreulicherweise relativ knapp und von gelegentlichen Entwicklungen bzw. Erscheinungen im Inneren unterbrochen: die Kurzdarstellung Karthagos selbst (S. 91 f.), dann die Auswirkungen auf die innere Entwicklung Roms (S. 97–99), Bau der Via Flaminia, Lebensmittel, Staatsfinanzen & Mangel an Münzgeld und Edelmetall (S. 110 f.), dann die Ursachen für den Sieg Roms im Zweiten Römisch-Punischen Krieg (S. 117 f.), die Auswirkungen auf den Senat (S. 118 f.) und schließlich die Einstufung als »Höhepunkt und zugleich Wendepunkt der republikanischen Geschichte« (S. 119) – Blösel bezeichnet die Punischen Kriege als »Expansionismus«, nicht bloß als »defensiver Imperialismus« (ebd.).

Die Entwicklungen in Griechenland (zweiter Makedonischer Krieg, der Krieg gegen Antiochos III.), der Perseus- oder dritte Makedonische Krieg, die Auseinandersetzungen mit dem Usurpator Andriskos, der Achäer-Krieg, das Ausgreifen nach Oberitalien und die Iberische Halbinsel sowie der dritte Römisch-Punische Krieg bilden die außenpolitischen Themen des fünften Abschnitts. Im Inneren untersucht Blösel die Rückwirkungen dieser fortwährenden Expansion: zunächst Restaurationsversuche des Senats, Einfluss griechischer Kultur, Konkurrenzkampf innerhalb der Führungsschicht, Aufwand für die Wahlkämpfe, die lex Claudia de nave senatorum, Landbesitz, »Diversifizierung und Spezialisierung der Landwirtschaft« (S. 146), Zensusanforderungen, die wachsende Anzahl der Provinzen und die Wählerbeeinflussung durch Geldzahlungen. Kurz schildert Blösel noch den sog. Spanischen Krieg, um dann zu einem Kernthema des Buches zu kommen: die militärische Dequalifizierung der Nobilität, was zum einen viele militärische Niederlagen erkläre, zum anderen aber auch den Aufstieg einzelner, herausragender nobiles (Scipio Aemilianus, C. Marius).

Im langen sechsten Abschnitt (S. 155–207) geht es anfangs um die Gracchen und deren Reformversuche (bis S. 168), dann um C. Marius und dessen Kriege, weitere Amtszeiten und die Krise des Jahres 100. Wichtiges Thema der folgenden Seiten ist der sog. Bundesgenossenkrieg, auf den die Römer mit »äußester Härte« und einem »Burgfrieden« (S. 184) geantwortet haben, Marius wurde reaktiviert, nach spektakulären Abfallbewegungen von Rom endete der Krieg in der »Annexion sämtlichen fremden Territoriums in Italien durch die Römer« (S. 187). Insgesamt sei auch der Bundesgenossenkrieg ein weiterer Beleg für die militärische Dequalifizierung der Römischen Nobilität, vielmehr habe man sich Privatleuten zur professionellen Kriegsführung bedienen müssen. Die Krise des Jahres 88 und Sullas erster Marsch auf Rom, das Regime des Cinna und der Krieg gegen Mithridates (87–84), der zweite Marsch auf Rom und Sullas Diktatur sind die weiteren Themen dieses Abschnitts.

Auf den Seiten 208–255 werden in erstaunlicher Kürze das Regime der Sullaner, Pompeius und dessen außerordentliche Imperien, die ›Neuordnung‹ des Ostens, die sog. Catilinarische Verschwörung, das Erste Triumvirat und Caesars Person & Politik, der Bürgerkrieg und Caesars Durchsetzen und schließlich das Ende der Republik geschildert.

In einem kurzen »Epilog« (S. 256–265) schildert Blösel noch das Zweite Triumvirat zwischen Oktavian, Pompeius und Antonius und die schließliche Durchsetzung Oktavians sowie die Etablierung des Principats. In den »Schlussbetrachtungen« (S. 266–270) hält Blösel die wichtigsten Ergebnisse seines Buches fest.

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Das Buch bietet einen schönen Überblick zur Geschichte der Römischen Republik, wenn auch mit einigen bedauernswerten Abstrichen. Blösel stellt etwa 500 Jahre Entwicklung dar – nicht nur außenpolitische Geschichte und Kriege, sondern im Wechsel dazu stets auch Entwicklungen innerhalb des Imperium Romanum (Verfassung der Republik, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse) – ausgeblendet sind freilich kulturelle Entwicklungen im engeren Sinne, also Kunst, Literatur, weitgehend auch Architektur und seltsamerweise auch die Selbstdarstellungen der politischen Figuren (von knappen Schilderungen von statuarischen Darstellungen, S. 86 f., und einigen Münzen abgesehen, etwa des Caesar-Mörders M. Brutus, S. 259), was angesichts der dazu vorliegenden und aufschlussreichen Forschung (vgl. nur Luca Giuliani, Bildnis und Botschaft, Frankfurt am Main 1986) überrascht.

Blösel zitiert wiederholt die herrschenden Meinungen in der Forschung, kommentiert diese und widerspricht ihr gelegentlich energisch. Klassische ›Politikgeschichte‹ mischt sich in einem guten Verhältnis mit einer Darstellung der Entwicklung in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Der Parforceritt am Ende des Buches zum Untergang der Republik gerät etwas anstrengend – es drängt sich der Eindruck auf, dass Blösel am Ende der Platz ausging, wenn man die wesentlich entspanntere Darstellung zur Römischen Königszeit und frühen Republik damit vergleicht (dafür sprechen auch die gehäuften Flüchtigkeitsfehler im letzten Drittel des Texts). Das achte Kapitel hätte Blösel kürzen und mit den Schlussbetrachtungen verbinden können, den entstandenen Platz für einen eigenen Teil zu den Quellen nutzen können, die allzu selbstverständlich der Darstellung zugrunde gelegt werden. Hier wäre eine Übersicht der verwendeten Quellen (schriftliche und dokumentarische) neben einer kritischen Auseinandersetzung mit ihnen unverzichtbar gewesen.

Insgesamt also ein Buch, das durchaus hält, was es verspricht, in der Qualität und Lesefreude gegen Ende allerdings etwas nachlässt. Großes Lob verdient – wie bisher bei allem Bänden der Reihe – die für derartige Darstellungen ungewöhnliche Bibliographie am Ende: Zu den jeweiligen Kapiteln finden sich kommentierte Literaturangaben (erst die Anmerkungen, dann die eigentlichen Angaben, die durch die thematische und zeitliche Grobsortierung leicht die gesuchte Literatur finden lassen). Diese Darstellungsweise sollte – auch bei solchen Formaten – Schule machen!

 

PDF: Wolfgang Blösel, Die Römische Republik. Forum und Expansion, München 2015