C.H.Beck; 128 Seiten, 26 Abbildungen; ISBN 978-3-406-66091-7

Joachim Zeune, renommierter Burgenforscher und Mittelalterarchäologe, will mit seinem Buch vor allem Irrtümern über »Ritterburgen« entgegenwirken: Auch die mittelalterliche Burg, besser »Adelsburg« oder »Feudalburg« genannt, sei bis heute in seinen Erscheinungsformen immer mehr verdunkelt worden (S. 11), besonders durch die verschiedenen Spielarten des Historismus im 19. Jahrhundert.

Dafür geht er sich zunächst eine Definition des Begriffs ›Burg‹, an, muss aber feststellen, dass eine solche wegen der mannigfaltigen »Erscheinungsformen und Funktionen der Burg« nicht in wenigen und allgemeingültigen Worten gelingen kann. Als Fazit hält er dennoch fest, dass Burgen »das elementare Instrument der Herrschaftsbildung und Herrschaftsausübung« darstellten (S. 17). Den Trägern des Burgbaus widmet er mit den Themen »zum Heil und Zierde des Reiches«, »Feudalisierung und Lehnswesen«, »Ritterideale«, »Burgherren und Burgmannen«, »Höfische Kultur«, »Alltag« und »Niedergang« zwar relativ viel Raum (S. 18–33), betont hierbei aber letzteres besonders und macht den Niedergang des Rittertums in politischer, militärischer und nicht zuletzt wirtschaftlicher Hinsicht als Faktor des Burgen-Verfalls aus. Sodann betrachtet er die Burg als Kriegsinstrument, politisches Instrument und – etwas deplaziert – das ›Öffnungsrecht‹ und und die ›Ganerbschaft‹ als »Machtsymbol und Herrschaftsinstrument« (S. 33). Zeune widmet sich dann umfassend dem Thema »Die ewige Baustelle« (S. 4580) und geht hierbei eher ›technischen Fragen‹ nach, wie etwa »Topographie«, »Personal und Logistik«, »Verlauf« und »Materialien«. Die Seiten 80117 gehen der Entwicklung von der Burg, über das Burgschloss hin zum Schloss nach. Zeune schlägt hier unheimlich viele unterschiedliche Kategorien auf, für das Hochmittelalter etwa »Königspfalzen«, »Turmhäuser«, »Feste Häuser« und »Motten«, noch einmal für das Hochmittelalter (!) »Königspfalzen und Reichsburgen«, »Wohntürme«, »Bergfriede«, »Palasse« und »Burgkapellen« und »Wehrelemente«. Im Spätmittelalter sodann »Wohntürme«, »Feste Häuser«, »Schildmauern«, »Mantelmauern« und »Artilleriebefestigungen«. Insgesamt verwendet Zeune viel Platz darauf, die technischen Bedingungen und Werdungen der mittelalterlichen Burg darzustellen – obleich die letzten drei Kapitel auf die Themen »Nachleben«, »lebendiges Denkmal« und »Irrtümer« eingehen, bleibt in Erinnerung, dass die »Ewige Baustelle« (sehr technisch) und »Stets im Wandel« (sehr chronologisch) auf den Seiten 45117 den Großteil des Buches ausmachen. Am Ende betont Zeune die ›Behandlung‹ der mittelalterlichen Burgen und dass sie in der Tendenz »zu Tode saniert« worden seien (S. 125) – ein und vielleicht der wichtigste Appell an alle historisch interessierten Menschen, denen an Erhaltung unserer historischen Vergangenheit bzw. deren Analyse gelegen ist!

Insgesamt weicht der Autor leider in vielen Punkten vom bewährten Konzept der Reihe ›Beck-Wissen‹ ab: Einmal erscheinen die Herangehensweise und der Schwerpunkt der Darstellung sehr technisch, und zwar im eigentlichen Sinne, nämlich in der detaillierten Analyse des Phänomens ›Burg‹ eben primär in technischer Hinsicht weit weniger in kultureller Hinsicht: Wie sah ein Leben auf Ritterburgen aus, wie sahen sich die Burgenbewohner und wie sahen Stadt- und Umland-Bewohner die Menschen und das Treiben auf den Burgen? Diese und ähnliche Fragen werden nur gestreift. Den klaren Schwerpunkt der Darstellung bildet die ›Dauerbaustelle Burg‹ und ihr Wandel von der Befestigungsanlage zum Schloss. Leider wird die Bedeutung der Burg für ihre Träger einerseits und die kulturgeschichtliche Bedeutung des Phänomens ›Burg‹ andererseits nicht deutlich. Damit erfasst die Darstellung Zeunes das Thema zu eng, nämlich zu sehr in (bau- und bestands-)technischer Hinsicht.

Zum anderen haben sich Autor und Verlag zwar auf viele Abbildungen geeinigt, zugleich aber auf den Verzicht einer Übersichtskarte und – was schwerer wiegt die Auslagerung der Bibliographie ins Internet. Zwar gibt es dort in der Tat ein »ausführliches Literaturverzeichnis«, was aber nutzt es dort? Die durch ständige Neuauflagen aktuell gehaltenen Bibliographien sind einer der großen Vorzüge der Reihe! Besser hätte man auf zehn Abbildungen verzichtet oder diese online zur Verfügung gestellt. Schön ist indes die Aufstellung der »zwölf schlimmsten Irrtümer über Burgen« am Ende (S. 126 f.) eine Neuauflage des Buches würde von der Beseitigung des Begriffs »Kultur« im Untertitel und einiger Flüchtigkeitsfehler, sowie der Beifügung einer Bibliographie profitieren.

PDF: Zu Tode saniert – Joachum Zeune, Ritterburgen. Bauwerk, Herrschaft, Kultur, München 2015